Wissenswertes rund ums Baurecht

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Beim Traum vom eigenen Haus geht es dem Menschen wie mit allen großen Träumen: wunderbar, ihn, zu träumen, sich den idyllisch gestalteten Garten, die harmonischen Tage am eigenen Kamin und auf der eigenen Terrasse vorzustellen. Wunderbar auch, wenn es so weit ist und die Früchte der Arbeit geerntet werden können. Aber bis dahin kann es ein steiniger Weg sein. Der Laie findet sich schnell in einem Labyrinth von Vorschriften, Anträgen, Genehmigungsverfahren wieder und kommt sich vor wie ein Jongleur, der zu viele Bälle auf einmal in die Hand genommen hat. Sie müssen sich nicht zum Volljuristen ausbilden lassen, bevor Sie ein Haus bauen. Aber wenn Sie nichts versäumen und auf Augenhöhe verhandeln wollen, kann ein kleiner Exkurs in Baurecht nicht schaden.

Vor dem Hausbau

Vor dem Bauen wollen steht das Bauen dürfen. Informieren Sie sich bei der Gemeinde, ob ein Bebauungsplan für Ihr künftiges Grundstück besteht. Der Bebauungsplan gibt Ihnen Auskunft über Baumöglichkeit, Geschossanzahl, Dachform. Für geplante Grundstücke ohne Bebauungsplan gilt: Das Haus muss in die gewachsene Umgebung passen. Der erste Schritt zur Klärung der Baugenehmigung ist die Bauvoranfrage. Die Baubehörde gibt auf diese Voranfrage eine verbindliche Auskunft über die Bebauungsmöglichkeit, indem sie einen zeitlich begrenzten Bauvorbescheid ausstellt. Die Kosten für diese Bauvoranfrage sind gemeindeabhängig, sollten aber 150 Euro nicht übersteigen. Den eigentlichen Bauantrag stellt nicht der Bauherr, sondern der von ihm beauftragte Bauvorlageberechtigte, also zum Beispiel der Architekt. Ein Bauantrag schlägt mit 0,4 bis 0,5 % der Hausbau-Summe zu Buche, im Durchschnitt mit ungefähr 800 Euro. Übrigens sind die Bauordnungen von Bundesland zu Bundesland verschieden. Erkundigen Sie sich über die genauen Genehmigungswege und zuständigen Behörden bei Ihrer Gemeinde. Das gleiche gilt für die weiteren Formalitäten, die im Rahmen eines Hausbaus notwendig werden. Scheuen Sie nicht den Gang aufs Amt, denn vergessene Anträge können Ihr Bauvorhaben verzögern, im schlimmsten Fall stilllegen. Nachdem eine Baugenehmigung erteilt worden ist, kann bis zum Baubeginn Zeit ins Land gehen. Spätestens eine Woche, bevor das Traumhaus Form annehmen soll, muss der Baubehörde eine Baubeginnanzeige gemacht werden. Das Formular liegt üblicherweise der Baugenehmigung bei.

Während der Bauzeit

Wenn dann der Bautrupp mit schwerem Gerät anrückt, kann ein Kran öffentlichen Verkehrsraum blockieren oder der Materialtransport eine kurzfristige Straßensperrung notwendig machen. Solche Eingriffe in die Infrastruktur sind mit den Gemeindebehörden abzusprechen. Sollte bei der Grundstücksanlage ein Baum im Wege stehen, darf nicht kurzerhand die Kettensäge in die Hand genommen werden. Für Bäume gilt: Erst beantragen, dann sägen. Ein Formular liegt der Baugenehmigung bei. Auch bei eventuell anfallenden Abbrucharbeiten muss ein Antrag her. Dieser ist bei der Baubehörde erhältlich und wird ihr eingereicht, wenn Gebäude und Gebäudeteile von mehr als 300 Kubikmetern Rauminhalt abgebrochen werden sollen. Den Abbruch dürfen nicht Sie selbst durchführen, sondern ein fachkundiger Abbruchunternehmer, der im Antrag zu benennen ist.

Nach Fertigstellung des Hauses

Ein fertiggestelltes Haus muss vom Bauherrn einer genauen Prüfung unterzogen werden; denn je eher Mängel erkannt werden, desto größer die Chance auf Mängelbeseitigung. Eine Mängelrüge sollte vor Hausabnahme und Auszahlung des Handwerksbetriebs eingereicht werden. Sie teilt dem Handwerker den Baumangel schriftlich mit und setzt ihm eine vierzehntägige Frist zur Beseitigung. Die Mängelrüge wird als Einschreiben mit Rückschein verschickt.

Fazit

Das deutsche Baurecht ist kompliziert, aber nicht unverständlich. Wer die notwendigen Anträge stellt, die Fristen einhält und mit den zuständigen Behörden kooperiert, kommt sicher in sein Traumhaus.

 

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