Keller bauen oder nicht?

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Das Dilemma, in dem sich potenzielle Bauherren bei der Wunschausstattung ihres künftigen Hauses befinden, ist nachvollziehbar. Geht es doch darum, mit den bereit zu stellenden Finanzmitteln ein optimales Ergebnis zu erzielen. Insbesondere die Unterkellerung des zu errichtenden Gebäudes ist stets ein wesentlicher Diskussionspunkt, wenn das Bauprojekt konkrete Gestalt annimmt. Einerseits ein höheres Budget fürs Bauprojekt, andererseits ein Plus an nutzbarem Raum auf dem umbauten Grund. Eine Erkenntnis ist unumstößlich: Die Entscheidung gegen den Keller ist nach dem Hausbau irreversibel.

Mit oder ohne: die Keller-Kostenformel

Um das Thema "Kellerbau" - Pro und Contra - objektiv bewerten zu können, sind die Einflussgrößen "Aufwand" und "Kosten" zu untermauern. Ausgangspunkt für die Hausbau-Betrachtung ist der ebenerdige Bauplatz. Jedes Haus benötigt ein Fundament, eine Bodenplatte. Genau hier verzweigt sich der Entscheidungsweg.

Bauherren, die auf eine Unterkellerung verzichten, benötigen einen Raum, der Haustechnik und Serviceanschlüsse aufnimmt. Beim nicht unterkellerten Haus befindet sich dieser "Technik-Raum" auf der Bodenplatte. Er reduziert die Netto-Nutzfläche des nicht unterkellerten Hauses. Verzichtet der Hausherr auf die Unterkellerung, so ergeben sich auf den ersten Blick Ersparnisse, denn Bodenaushub und die Kellermauern bergen Einsparpotenziale.

Ein Keller lässt sich nach der Errichtung des Hauses nicht nachrüsten. Entscheiden Sie sich für die Unterkellerung, so ist objektiver Rat seitens der Experten des Instituts für Bauforschung, Hannover, wertvoll. Deren Berechnungen zufolge sind für die Unterkellerung eines frei stehenden Einfamilienhauses baubedingte Mehrkosten pro Quadratmeter (qm) in Höhe von 180 bis 425 Euro einzukalkulieren. Bei einer Grundfläche von 100 qm liegen die Mehrkosten um 18.000 bis 42.500 Euro über dem Kostenniveau des Hauses mit Bodenplatte. Daraus lässt sich als "Daumenwert-Formel" ableiten: 10 Prozent höherer Kapitaleinsatz erbringt zirka 40 Prozent Zuwachs an nutzbarem Raum.

Der Keller unter dem Haus macht den Unterschied

Die Zeiten des Kohlenkellers sind passee. Wer heute sein Haus mit Keller plant, setzt auf Bauqualität in Form eines wannenförmig umkleideten, wasserundurchlässigen Kellers. Im Sinne einer vielfältigen Nutzung des so entstehenden Raumangebotes - Hobbyraum, Heimsauna, Partykeller, Fahrradkeller, Werkstatt - ergänzen Lichtschächte oder Fenster, eine elektrische und kommunikationstechnische Ausstattung sowie eine vollwertige Treppe das Nutzungsspektrum des zusätzlichen Raumangebots. Auch der Raum für die Haustechnik befindet sich im Keller. Bis auf den für Kellertreppe vorzusehenden Zugangsbereich bleibt die Nettofläche des Hauses im Erdgeschoss voll als Wohnnutzfläche erhalten. Häufig honorieren Banken und Kreditinstitute die Bauherren-Entscheidung zugunsten einer Hausunterkellerung mit einem Entgegenkommen bei den Konditionen der Baufinanzierung. Im Falle von Veräußerung oder Zwangsversteigerung einer Immobilie ist das unterkellerte Haus jenem auf ebenerdiger Bodenplatte bezüglich Attraktivität für Interessenten und zu erzielendem Verkaufspreis weit überlegen.

Spitzboden-Ausbau "unterm Dach" keine echte Alternative

Bauherren, die nach Alternativen zum Kellerausbau suchen, befassen sich nicht selten mit dem Spitzboden-Ausbau als Unterkellerungs-Alternative. Doch auch bei dieser Form des Hausausbaus lauern nicht unbeträchtliche Ausbaukosten. Zusätzliche Kostenfaktoren ergeben sich aus der Notwendigkeit eines tragfähigen Deckenbodens sowie einer Treppe. Hinzu kommen Aufwendungen für eine dem gewonnenen Wohnraum angemessene Wärmedämmung. Selbst bei sorgfältigster Planung und Ausstattung ist ein Spitzboden-Ausbau keine wirkliche Alternative zur Unterkellerung. Die Unterbringung der Fahrräder, Winterreifen, Werkzeuge und Gartengeräte erfordert Lösungen, die sich dank einer Hausunterkellerung kostenneutral, mit einem Spitzboden-Ausbau hingegen gar nicht realisieren lassen.

Hausunterkellerung sichert Nutzungs- und Wertvorteile

Die Unterkellerung des Hauses ist günstiger als ihr Ruf. Zwar verlängert sich die Bauzeit um eine Spanne Zeit. Doch die Vorteile der Unterkellerung wiegen diesen Zusatzaufwand bei weitem auf. Nicht zuletzt der Wertvorteil einer Immobilie mit Unterkellerung sowie der Zugewinn an vielfältig nutzbarem Raum spricht eine klare Sprache - auch im Falle eines Hausverkaufs.

 

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