Arbeiten beim Hausbau selbst übernehmen

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Für viele ist es ein Traum: Der Bau des eigenen Hauses. Das Leben wird darauf zugeschnitten, man spart, man sucht ein Grundstück und endlich ist es soweit: Das Werk kann beginnen. Wenn Sie sich hier für ein Fertighaus entscheiden, haben Sie eine weitere Option, Baukosten zu senken. Sie legen selber Hand an. Doch dies will gut überlegt, geplant und mit Sachverstand durchgeführt werden. Was Sie im Auge behalten müssen, damit Ihr Traum nicht zum Albtraum wird, das lesen Sie hier.

Eigenleistung - die sogenannte Muskelhypothek

Das Fertighaus bietet die Möglichkeit, selbst mit anzupacken. In welcher Form, das hängt vom Fertighaus Typ ab. Es gibt das Fertighaus

  • als Ausbauhaus
  • als Bausatzhaus
  • als Selbstbauhaus

Das Ausbauhaus wird dem Bauherrn von der Baufirma fertig gebaut. Der Innenausbau ist dann noch zu gestalten. Die hier anfallenden Arbeiten können auch von handwerklich begabten Nichtprofis, eventuell unter fachlicher Anleitung, durchgeführt werden. Beispielsweise kann so bei folgenden Arbeiten Geld gespart werden:

  • Zimmer und Flure Tapezieren: Etwa 150 Arbeitsstunden, Ersparnis 7.000 Euro
  • Fußböden selber verlegen: Etwa 50 bis 80 Arbeitsstunden, Ersparnis 2.500 Euro
  • Dachschrägen selber dämmen: Ersparnis etwa 5.000 Euro
  • Einbau der Zimmertüren: Etwa 25 Arbeitsstunden, Ersparnis 1200 Euro
  • Garten selber anlegen: Etwa 40 Arbeitsstunden, Ersparnis 2.000 Euro

Diese geschätzten Zahlen sollen realistische Planung ermöglichen: Bauherren sehen meist nur die eingesparte Summe, hier fast 18.000 Euro. Sie unterschätzen die Zeit, die zu investieren ist, hier etwa 300 bis 400 Stunden. Der Anreiz ist, dass die Banken etwa 15 Prozent der Gesamtkosten als Eigenleistung (Muskelhypothek) anerkennen.

Realistisch Planen heißt gute Selbsteinschätzung

Zunächst muss sich jeder die Frage stellen: Habe ich die Zeit, und was traue ich mir handwerklich zu? Wer für die selbstkritische Planung auch Freunde und Bekannte hinzuzieht, tut gut daran: Alleine kommt man hier oft zu Fehleinschätzungen.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Dieser Spruch könnte auf einer Baustelle erfunden worden sein. Daher sollte finanziell, zeitlich und kräftemäßig "luftig" geplant werden: Es ist normal, das Dinge auch mal nicht klappen, wie gewünscht. Das kostet immer mehr Geld, und bei Eigenleistung auch mehr Zeit.Sie sollten auch emotional zu solchen Arbeiten in der Lage sein. Für ein Paar oder eine Familie ist Hausbau auch eine seelische Herausforderung. Überzogen kalkulierte Eigenleistung bringt hier richtig Zündstoff. Von Krankheit und Absage hilfsbereiter Freunde muss man als Begleiterscheinung ausgehen. Als Bauherr sollten Sie Ihre gute Laune aber nicht verlieren.

Was bei Eigenleistung oft übersehen wird

Arbeiten, die einfach aussehen, müssen dennoch sachgerecht gemacht werden, sonst tragen sie in Folge zu Mehrkosten bei. Das Dämmen von Dächern ist hierfür ein gutes Beispiel. Für selbst geleistete Arbeit kann bei Mängeln keine Gewährleistung Dritter veranlasst werden. Was schlecht gemacht wurde, muss auf eigene Kosten wieder verbessert werden. Auch der resultierende Zeitverlust ist zu bedenken. Der Bauherr ist für seine freiwillige Helfertruppe und deren Sicherheit verantwortlich. Er muss entsprechende Kleidung und Sicherheitsausrüstung stellen und alle Bauhelfer adäquat versichern. Da fallen pro Helfer und Arbeitsstunde dann gerne um die 2 Euro Kosten an. Auch ist eine Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft notwendig.

Fazit: Die eigenen Grenzen kennen

Eigenleistung kann Geld sparen und durchaus Spaß machen. Es erhöht meist auch den persönlichen und fachlichen Bezug zum Haus. Unverzichtbar am Bau sind allerdings fachmännisch durchgeführte Arbeiten von Maurern, Dachdeckern, Zimmermännern, Installateuren und Elektrikern. Wer das nicht gelernt hat, sollte hier die Finger weglassen.

Daher sind auch Bausatzhaus und Selbstbauhaus nur für handwerkliche Profis eine sinnvolle Option.

 

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